Verband Österreichischer Stuckateur- & Trockenbauunternehmungen

Sanierung Shopping City Süd (SCS)

  • SCS
    SCS
    © Baierl
  • SCS
    SCS
    © Baierl
  • SCS
    SCS
    © Baierl

SANIERUNG: SHOPPING CITY SÜD (SCS)

Einkaufstempel in neuem Glanz

 

Mit einer durchgehend überdachten Verkaufsfläche von deutlich über 170.000 Quadratmetern und mehr als 330 Geschäften zählt die Shopping City Süd (SCS) nahe der Wiener Stadtgrenze zu den größten Einkaufszentren Europas. Nach fast 40 Jahren Dauerbetrieb wurde sie in den vergangenen beiden Jahren einem umfassenden Facelifting unterzogen.  
 

„Moderner, heller, grüner“, das sind die Schlagworte, die das neue Gestaltungskonzept von Österreichs größtem Einkaufstempel beschreiben. Mit moderner Architektur, großzügigen Freiräumen, Lounge-Bereichen und einem durch-gehenden Begrünungskonzept holte das mit der integralen Planung beauftragte Architektur- und Ingenieurbüro ATP die SCS aus der Zeit ihrer Entstehung, Mitte der 1970er-Jahre, in die Gegenwart. Neben der Sanierung der gesamten Mall wurde auch die Haustechnik aller Shopflächen auf den neuesten Stand der Technik gebracht und zusätzlich die Hälfte aller Verkaufsflächen durch neue Konzepte attraktiver gemacht. Im Außenbereich wurden die Fassaden thermisch saniert und neu gestaltet – und auch die Zugänge erhielten ein gänzlich neues, einladendes Erscheinungsbild. Größte logistische Herausforderung für die Planer ebenso wie für die ausführenden Unternehmen war, dass während der gesamten, über eineinhalbjährigen Umbauphase der Betrieb aufrecht erhalten werden konnte. Kurz vor dem Weihnachtsgeschäft eröffnete die technisch und gestalterisch aufgearbeitete SCS im Dezember des vergangenen Jahres. 

DESIGN TRIFFT KUNDENSERVICE

Die mehr oder weniger beliebige Aneinanderreihung unterschiedlicher Geschäfte reicht heute nicht mehr aus, um Kunden anzulocken und in Einkaufsstimmung zu versetzen. Heute geht es den Endkonsumenten nicht nur um die Befriedigung ihrer Einkaufslust – Einkaufen soll zum Erlebnis werden. Vor diesem Hintergrund ist auch das neue Gestaltungskonzept zu verstehen. Die Kombination von Design und Service steht dabei wesentlich im Mittelpunkt der Neugestaltung. So können beispielsweise von den Kunden Regenschirme und Kinderwagen ausgeliehen werden. Für männliche Kunden gibt es gemütliche Sitzgelegenheiten samt Fernsehen, auf dem den ganzen Tag Fußball läuft. Im Gegenzug dazu wurde für Jungmütter ein eigener Stillbereich eingerichtet. Und wem vor lauter Einkaufen die Puste ausgeht, der kann sich in einem der Cafés eine kurze Auszeit gönnen. Denn auch das gastronomische Angebot wurde deutlich erweitert. Und dank gratis WLAN kann im gesamten Haus nach Lust und Laune auch im Internet gesurft werden.      

Ein neues Orientierungssystem und die unterschiedlich gestalteten Einkaufszonen wie „Garden City“, „Water City“ und „Light City“ sollen die neue SCS für ihre Besucher wesentlich übersichtlicher machen. 

Rund 150 Millionen Euro lässt sich die Unibail-Rodamco, seit 2007 neuer Eigentümer, den Gesamtumbau kosten.  

 

PARKLANDSCHAFT UNTER DACH

Neben allen bauphysikalischen und haustechnischen Verbesserungen ist die neue Innenraumgestaltung sicher die weitreichendste und augenscheinlichste Veränderung. Eine neue Abfolge von Wegen und Plätzen mit Grünflächen und Wasserbecken erweckt den Eindruck einer Parklandschaft, die sich durch das gesamte Einkaufszentrum erstreckt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die organisch weich geformten Oberflächen und neue Oberlichtbänder, die das Tageslicht bis tief in den Innenraum hineintragen. „Durch die Öffnung des Daches, die Vergrößerung der Lufträume zwischen oberer und unterer Verkaufsebene und die damit verbundene Luftigkeit gehört die Tunnelatmosphäre der alten Mall nun endgültig der Vergangenheit an“, heißt es vonseiten des ATP-Planungsteams.   

Die außergewöhnliche Formensprache der Trockenbauverkleidungen – mit gedrehten, konkaven, konvexen, runden und geneigten Oberflächen – erforderte die Entwicklung von Ausbau- und Montagesystemen, wie sie in dieser Form bislang noch nicht gebaut wurden. Für die Montage der organischen Hülle sowie die Integration der haustechnischen Installationen, wie Sprinkleranlagen, künstliche Beleuchtung und Lüftung musste eine Vielzahl von individuellen Einzellösungen samt Formteilvorfertigung erarbeitet werden. Zum Teil wurden Halbschalen in Trockenbauweise geformt, die bis zu 180 Zentimeter weit auskragen. 

„Über 120 unterschiedliche Befestigungs-, Montage- und Arbeitssituationen sowie Unterkonstruktionen für die Montage mussten entwickelt, geplant und für die Montage vorbereitet werden“, beschreibt das ausführende Innenausbauunternehmen Baierl + Demmelhuber die bautechnischen Anforderungen. Unzählige einzelne und maßgeschneiderte Schablonen mit individuell ausgeführten Ausfräsungen, Befestigungspunkten für die Abhängung sowie Spanten für die Befestigung an die Bestandstragwerke waren notwendig, um die Visionen der Architekten in gebaute Realität umsetzen zu können. 

 

LICHT UND HAUSTECHNIK 

Hinter den Trockenbaukonstruktionen verbirgt sich nicht nur der Altbaubestand, sondern auch die technische Ausstattung des Gebäudes wie Licht-, Klima- und Lüftungstechnik. Bei der Ausleuchtung war es das oberste Ziel, eine möglichst gleichmäßige Lichtatmosphäre aus direkter und indirekter Beleuchtung zu erreichen. Dafür wurden verlaufende Lichtvolouten realisiert. Diese Kombination aus Tages- und Kunstlicht stellte höchste Anforderungen an die Oberflächenqualität des Innenausbaus und musste absolut streiflichtfrei ausgeführt werden. 

Eine besondere Schwierigkeit stellte die Integration der haustechnischen Installationen und Anlagen dar, da diese trotz der überaus schwierigen Gebäudesituationen und der außergewöhnlichen Formensprache im Hohlraum der Trockenbaukonstruktionen untergebracht werden mussten.                     

 
Planungsbeginn:  Jänner 2010
Baubeginn: April 2012
Fertigstellung: November 2013